Zuletzt aktualisiert: 22.12.2025

Wärmequellen für Wärmepumpen: Luft, Erdreich, Wasser – und Hybrid-PV

Kurzfassung: Luft-Wärmepumpen sind am einfachsten, Sole/Erdwärme und Grundwasser meist effizienter. Vergleichen Sie Angebote nur am gleichen Prüfpunkt (z. B. A2/W35 vs. B0/W35) – die Quellentemperatur im Winter entscheidet über die Effizienz.

Eine Wärmepumpe „macht“ keine Wärme, sie verschiebt Wärme von einer Quelle (Umwelt) auf ein höheres Temperaturniveau (Ihr Heizsystem). Die wichtigste Stellschraube für Effizienz ist deshalb der Temperaturhub: je kleiner die Differenz zwischen Wärmequelle und Vorlauf, desto höher ist typischerweise COP/JAZ.

Die Kürzel A / B (Sole) / W / E: Was bedeuten A2/W35, B0/W35 oder W10/W35?

In Datenblättern und Effizienzrechnern begegnen Ihnen Prüf- oder Vergleichspunkte in der Form Quelle/Heizwasser, z. B. A2/W35. Dabei steht:

  • A = Luft (Air) – z. B. A2 bedeutet Außenluft bei 2 °C.
  • B = Sole (Brine) aus Erdreich – z. B. B0 bedeutet Soletemperatur 0 °C (typisch am Verdampfer-Eintritt, abhängig vom Standard).
  • W = Wasserquelle bzw. Heizwasser – z. B. W10 als Wärmequelle (Grundwasser) 10 °C oder W35 als Heizwasser-Vorlauf 35 °C.
  • E = „Erdreich“ (teils herstellerspezifisch genutzt) – z. B. E4 als angenommene Quellentemperatur von 4 °C. In der Praxis ist das oft inhaltlich nahe bei einer Sole-/Erdwärme-Betrachtung, nur anders bezeichnet.

Wichtig: Vergleichen Sie Angebote nur dann fair, wenn der gleiche Punkt (Quelle und Vorlauf) gegenübergestellt wird. W10/W35 ist deutlich „leichter“ als B0/W35 – und A-7/W35 noch einmal härter.

Warum Erdreich meist als E4 oder B0 gerechnet wird – und Wasser oft als W10

Der Kern ist die realistische Quellentemperatur im Winter an der Wärmepumpe – nicht die „schöne“ Temperatur irgendwo im Boden.

  • Erdreich/Sole (B…/E…): Über die Heizsaison wird dem Erdreich kontinuierlich Wärme entzogen. Dadurch sinkt die Temperatur im Kollektor/Bohrlochumfeld und die Sole ist an der Wärmepumpe häufig eher im Bereich um den Gefrierpunkt als bei 10 °C. Deshalb sind B0 (konservativ) oder E4 (etwas optimistischer, je nach Definition) typische Vergleichswerte.
  • Grundwasser (W…): Grundwasser hat (bei genügend Tiefe) über das Jahr oft eine relativ stabile Temperatur, häufig im Bereich grob um 8–12 °C. Daher ist W10 als Vergleichspunkt verbreitet – und erklärt, warum Wasser/Wasser-Systeme in der Effizienz meist „oben“ stehen.

Faustregel: Wasserquelle warm + Vorlauf niedrig = sehr effizient. Umgekehrt gilt: Luft bei Frost + hoher Vorlauf = der härteste Betriebsfall.

Die drei Klassiker im Überblick

1) Luft/Wasser-Wärmepumpe (A…)

  • Plus: geringste Investition, kein Brunnen/keine Bohrung, schnell realisierbar.
  • Minus: Quellentemperatur schwankt stark; bei feucht-kaltem Wetter sind Abtauzyklen ein zusätzlicher Effizienzkiller.
  • Planungshebel: möglichst niedrige Vorlauftemperatur (Hydraulik/Heizflächen), gute Aufstellung (Schall, Luftführung).

2) Sole/Wasser (Erdwärme) mit Kollektor oder Bohrung (B…/E…)

  • Plus: im Winter stabiler als Luft, häufig bessere Jahresarbeitszahl; keine Abtauzyklen.
  • Minus: höhere Investition und mehr Randbedingungen (Grundstück, Genehmigungen, Bohrkosten).
  • Warum B0/E4: Entscheidend ist die Soletemperatur am Verdampfer im Winter. Sie kann saisonal deutlich absinken, daher sind konservative Vergleichspunkte üblich.

3) Wasser/Wasser mit Grundwasser (W…)

  • Plus: sehr hohe Quellentemperatur und Stabilität → typischerweise sehr effizient (daher häufig W10 als Vergleichspunkt).
  • Minus: Genehmigungen, Brunnenbau, Wasserqualität (Verschlammung/Verockerung), Filter/Wartung – das kann über die Jahre entscheidend sein.

Exoten & „Wärmequellen-Mix“: Abwasser, Abluft, Eisspeicher, PVT …

Neben Luft/Erdreich/Grundwasser gibt es Quellen, die lokal sehr attraktiv sein können – meist, weil sie wärmer oder konstanter sind als Außenluft:

  • Abluftwärmepumpe: nutzt warme Raumabluft (oft in Neubau/Lüftungskonzepten) – begrenzt durch Luftmenge/Leistung.
  • Abwasser-/Grauwasserwärme: spannend bei hohem, kontinuierlichem Warmwasseranfall (Mehrfamilienhaus, Gewerbe).
  • Industrie-/Serverraum-Abwärme: kann die Quelle im Winter deutlich anheben, wenn konstant verfügbar.
  • Eisspeicher: nutzt Kristallisationswärme beim Gefrieren; oft kombiniert mit Solar/Luft als „Regeneration“.
  • Hybridquellen: z. B. Solekreis + zusätzlicher Luftwärmetauscher (wenn die Sole zu kalt wird) – kann Bohrmeter sparen, macht das System aber komplexer.

Hybrid mit PV: Strom-Hybrid vs. „thermischer“ PV-Hybrid (PVT)

„PV + Wärmepumpe“ meint in der Praxis oft nur: PV-Strom betreibt den Verdichter. Es gibt aber auch Konzepte, bei denen die Sonne zusätzlich als Wärmequelle genutzt wird.

Variante A: PV-Strom + Wärmepumpe (Standard)

  • Ziel: mehr Eigenverbrauch, niedrigere Stromkosten.
  • Hebel: Warmwasser tagsüber (PV-Überschuss), moderate thermische Speicher (Warmwasserspeicher/Puffer), SG-Ready/EMS.
  • Achtung: „Mit Gewalt“ auf hohe Temperaturen zu laden kann Effizienz kosten – häufig ist ein sinnvoller Mittelweg besser.

Variante B: PVT (Photovoltaik-Thermie) als Wärmequelle/Regeneration

  • Prinzip: Ein PVT-Kollektor liefert Strom wie PV – und zusätzlich niedrigtemperierte Wärme (z. B. für einen Solekreis).
  • Nutzen: kann Quellentemperaturen anheben oder eine Erdsonde/Flächenkollektor im Sommer „regenerieren“ – das kann die Jahresarbeitszahl verbessern und Vereisung/zu tiefe Sole reduzieren.
  • Realität: Im tiefen Winter ist Solarwärme begrenzt – PVT ist dann eher Unterstützung als alleinige Quelle.

Variante C: Solarthermie als Quelle/Regeneration (seltener)

Klassische Solarthermie ist meist „zu heiß“ gedacht (Warmwasser). Für die Wärmepumpe sind aber gerade niedrige Temperaturen interessant: als Quelle oder zur Regeneration eines Erdreichspeichers. Das kann funktionieren, ist aber planungsintensiv und lohnt sich eher in speziellen Randbedingungen.

Was Sie aus Angeboten herauslesen sollten

  • Vergleichspunkt: Wird COP bei A2/W35, B0/W35 oder W10/W35 angegeben? (Nicht „Äpfel mit Birnen“ vergleichen.)
  • Vorlauf-Realität: Passt W35 (oder eher W55) zu Ihrem Haus? Vorlauftemperatur bestimmen.
  • JAZ/SCOP: Einzelpunkte sind hilfreich, aber die Jahresbetrachtung ist entscheidend – inklusive Regelung, Hydraulik und Taktung.

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